Bist du naiv? – Über die Naivität

Was ist man eigentlich, wenn man „naiv“ ist? Unwissend, kindisch, leichtgläubig oder leichtsinnig? Warum ist Naivität immer oder zumindest häufig negativ bewertet? Diskutieren wir über Naivität!

Als ich gestern mein Skizzenbuch des Grauens durchgeblättert habe, entdeckte ich eine Zeichnung vom März. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis sie – obgleich fehlender Aktualität – anständig umzusetzen. Vielleicht wegen der Formsprache. Hände. Größere Farbflächen.

Das Englisch ist nicht wirklich richtig, aber gerade darüber wollte ich hinwegsehen. Es fehlt ein „to“ am Ende des zweiten Satzes. Oder aber „did“ statt „do“. Der Sinn kommt – zumindest für mich – trotzdem raus.

Man wird doch oft als naiv bezeichnet, wenn man anscheinend leichtgläubig einen etwas anderen Weg einschlägt. Einen Weg, der ins Verderben führen könnte. Meistens sind diejenigen, die einen dann mit „naiv“ betiteln nicht einmal so kulant, die Möglichkeit offen zu lassen, dass es funktionieren könnte. Nein. Es heißt dann: „Dieser Weg führt in dein Verderben.“ Weil man das „normal“ nicht macht. „Normal“ wird man frustrierte AktensortiererIn.

Wurdet ihr schon einmal als „naiv“ bezeichnet?
Würdet ihr euch selber als „naiv“ bezeichnen?
Was bedeutet für euch Naivität?
Kennt ihr durch und durch naive Menschen und wodurch zeichnen sie sich aus?

Das einzige Merkmal von Naivität kann doch nicht sein, mit dem falschen Typen im Bett zu landen.

Dieser Beitrag wurde am 22. Mai 2017 um 21:44 aktualisiert

Melanie

Farben, die sich zu Bildern fügen - das ist meine Leidschaft. Illustration, Malerei oder Fotografie, aber auch die Natur, Bücher und Tee gehören zu den Dingen, die mich bewegen.

18 Comments

  1. Schweres Thema. Für mich bedeutet Naivität wenn Menschen einfach alles glauben ohne nach links und rechts zu schauen. Sie vertrauen jedem Menschen blind ohne irgendetwas zu hinterfragen. Sie sehen immer nur das gute im Menschen und schlechte Dinge gibt es nicht in ihrer Welt.

    Ich denke jeder Mensch ist in mancher Hinsicht naiv, das ist auch okay und gut so. Ich denke aber das man nicht komplett wie oben beschrieben „naiv“ durchs Leben gehen sollte.

    • Das stimmt wohl. Komplett naiv sollte man nicht durchs Leben gehen. Aber was ist für dich denn das Gegenteil von naiv bzw. Naivität?
      Mir kommt da spontan irgendwie „Schwermut“ in den Sinn, bzw. wenn man halt alles mit den Gedanken zermahlt, bis jede Natürlichkeit verschwunden ist.

  2. Naivität ist immerhin erleichternd. Ich werde mir meine Naivität für später ganz sicher behalten. Ein bisschen davon schadet immerhin nicht.

    • Erleichternd! Du sagst es, dass stimmt definitiv. Menschen, die andere als naiv bezeichnen, haben nicht selten eine eigene Schwere mit sich zu tragen und wirken unzufrieden.

  3. Hej :)
    Klar ist Selbstgezeichnetes ebenfalls Selbstgemachtes. Ich habe ebenfalls schöne Bilder von meiner Vorgänerin bekommen. Bei den alten Craft it forward-Posts findest du Fotos davon, falls du mal reingucken möchtest.

    Ach, jetzt muss ich hier nochmal spammen… Was sind denn so deine Farben? Vielleicht ist ja was dabei, mit dem ich dir eine Freude machen könnte :)

  4. Schönes Bild- gutes Thema.
    Ich würde mich selbst in gewisser Weise schon als naiv bezeichnen, einfach aus dem Grund, dass ich schon oft glaube, was man mir erzählt und einfach nicht davon ausgehe, das man mir etwas vorlügt oder Tatsachen verdreht.
    Ist mir jetzt allerdings öfter passiert und deshalb bin ich skeptischer geworden.
    Vielleicht bin ich einfach ein Gutmensch.
    Gutgläubig, leichtgläubig. Naiv.

    • Ich glaube auch sehr gerne mal, was man mir erzählt. Bin aber auch mittlerweile etwas skeptischer geworden.
      Gutmenschen FTW! Es braucht mehr davon!

  5. Naiv kann dann in deinem Beispielsfall aber auch leicht „mutig“ sein. Wenn man nichts unversucht lässt ist das nicht unbedingt naiv. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass es schief geht, aber nachdem man es probiert hat kann man immernoch feststellen, dass es eine schlechte Idee war. Man kann auch selbst wissen, dass es höchstwahrscheinlich nicht funktioniert, aber es besteht eigentlich immer die Möglichkeit, dass es doch funktioniert :)

    Ich denke als Kind ist man am naivsten, wenn man Sarkasmus und Ironie noch nicht bemerkt und wie Kim schon kommentierte wird man skeptischer. Manche weniger, manche mehr.

  6. Hi

    Mich haben schon einige als Naiv bezeichnet, warum weiß ich selbst nicht so genau. Ich muss Kim zu stimmen, ich glaube den Menschen zu viel, aber soll man wirklich immer davon ausgehen, dass sie lügen?

    Liebe Grüße, Tenzi

  7. ständig wurde ich als naiv bezeichnet. ^^ ich denke auch oft, wenn sich etwas anders als gedacht herausstellt zu mir man war ich naiv. ich sehe oft zu lange das gute im menschen. ;)

  8. Ich werde auch ständig als naiv betitelt. Ich muss dem aber auch leider zustimmen.
    Ich sehe in jedem Menschen das Gute, verzeihe zu schnell und glaube, durch kleine Dinge gutes tun zu können. Doch finde ich diese Art von Naivität nicht so schlimm, höchstens das zu schnelle Verzeihen könnte mich verletzen.

    Ansonsten finde ich diese „lebensart“ weitaus angenehmer und schöner als die pure Realität zu sehen. Zum Beispiel schon eine Papiertüte zu nehmen im Supermarkt – meine Mutter rastet danach völlig aus, weil die so schnell kaputt geht etc. & ich freue mich ein bisschen, dass wir kein Plastik genommen haben und ein bisschen was gerettet haben.

    Ich bin mir nicht sicher ob das so naiv ist, aber naivität hat auch immer was Gutes – meine Meinung :)

    • Definitiv hat Naivität ihre guten Seiten. Ich finde man sollte sie nie ablegen, auch wenn es vielleicht bedeutet, dass man „mehr“ verletzt ist. Ein starker Geist hält soetwas aus und wächst daran. Ich glaube Naivität eröffnet auch Chancen und Möglichkeiten, die man nicht gesehen bzw. genutzt hätte, wäre man in gewissen Situationen nicht naiv an die Sache herangegangen.

  9. schönes Bild. besonders den Gesichtsausdruck finde ich sehr stark.

    Als Naiv wurde ich noch nie betitelt, aber ich denke das es vieel von mir denken und sich nicht trauen es mir zu äußern, weil ich besonders argumentationsstark gegenüber meinen Dingen bin.

    Ich habe viel Fantasie und setze die in meinem Alltag und Arbeitsfeld um…

    die meisten Menschen sind jedoch von meiner fast ‚kindlichen‘ Naivität zunächst eingeschüchtert… (viele Ideen sind auch wirklich suspekt und irreal… ^^) aber dann wechselt ihre Meinung während des positiven Agierens und ich reiße sie förmlich mit.

    Im Grunde wünschen sich manche Menschen ein bisschen Naivität um vom der strengen Linie abzuweichen. Viele können und dürfen jedoch nicht von der Linie abweichen.

    schönes Thema :heart:

    • Danke liebe Äwe!

      Hehe, ich kann mir vorstellen, dass du deine Meinung gut und mit Power vertrittst und da gehört ein Fünkchen Naivität dazu. Es ist toll, wenn du andere Menschen damit „mitreißen“ kannst :D

      Mit deinem letzten Absatz hast du bestimmt auch recht. Ich glaube, dass viele Menschen viel zu streng mit sich und ihrem Umfeld sind.

  10. Schöne Bilder, die du da zur Naivität gemalt hast. :-)
    Ich finde auch, dass Naivität ihre sehr guten Seiten. Die schönste Sache dabei ist, dass man, in den Situationen in denen man naiv ist, sich zugesteht, die Welt immer noch wie ein Kind zu sehen. Naivität bedeutet sich einlassen, unvoreingenommen glauben, träumen und staunen.
    Ich mag Naivität und werde sie niemals ganz ablegen, auch wenn ich schon ein echt „großes Kind“ bin. ;-) Das wir mehr verletzt werden können, als jemand, der sich der Naivität nicht hingibt ist es mir wert. Mit der Zeit ist es wohl auch so, dass wir eine bessere Menschenkenntnis entwickeln und wir uns nur „so voll & ganz“ in Naivität gehen lassen, wenn unser Bauchgefühl stimmt. Klar werden wir auch dann noch wesentlich öfter verletzt als jemand, der nicht naiv sein will (und kann!), aber das ist es mir einfach wert. Ich finde, dass Naivität ein Geschenk ist, – in unserer zunehmend kälter werdenden Welt. Und zwei naiv Verträumte können damit ein Stück Himmel leben. :-) http://www.petissapan.com

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