Der Araber von morgen

Riad Sattouf hat mit „Der Araber von morgen“ einen autobiografischen Graphic Novel über sein Aufwachsen zwischen westlicher und arabsicher Welt veröffentlicht. Sattouf versteht sich, Stimmungen und Gefühle zu transportieren und sein Humor macht, neben den schönen Zeichnungen, das Lesen zu einem Vergnügen.

AllgemeinesKurzbeschreibungFazit

 

Riad Sattouf
Der Araber von morgen
Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984)
2015, Albrecht Knaus Verlag
Softcover, 158 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A)
ISBN: 978-3813506662[/note]

Hinweis: Das Buch wurde mir vom Knaus-Verlag für diese Rezension zur Verfügung gestellt.

Arabischer Frühling, Umsturz in Libyen und Krieg in Syrien. Als Reaktion darauf greift der 36-jährige französische Zeichner und Filmemacher Riad Sattouf zum Stift und erzählt von seiner Kindheit in der arabischen Welt: ein blondgelockter Junge, Sohn einer Französin und eines Syrers, wächst in Libyen und Syrien auf. Die Graphic Novel vom blonden Araber im Land der Diktatoren stürmte in Frankreich die Bestsellerlisten wie zuvor nur Marjane Satrapis „Persepolis“.Knaus-Verlag

„Der Araber von morgen“ ist kein Comic, den man einfach so zur reinen Unterhaltung lesen kann. Aber das liegt an der Sache, schließlich ist es eine Autobiografie. Es ist keine leichte Lektüre, aber auch kein Stein, der einem im Magen liegt. Mich beeindruckt, dass Riad Sattouf es geschafft hat, mich zu fesseln. Erzählweise, Humor und Gestaltung haben mir sehr gut gefallen.

Ich habe den Comic gerne gelesen, konnte einiges Neues lernen und warte nun auf die Fortsetzung.

Rating: ★★★★★ 

Der Inhalt

Der Araber von morgen“ ist in vier Kapitel gegliedert, Lebensabschnitte von Riad Sattouf. Diese Abschnitte sind auch unterschiedlich gestaltet. Es dominiert jeweils eine Hauptfarbe (Libyen – Gelb, Frankreich – Blau, Syrien – Rosarot) mit einer Akzentfarbe.

Nach einer kurzen Einleitung, in der sich seine Eltern kennenlernen, sehen wir Riads Kidheit inTripolis, Libyen. Seine Mutter ist Französin und sein Vater stammt aus Syrien, studierte Politikwissenschaften.

Im Laufe des Comics begleiten wir die Familie auf ihrer Reise. So erfahren wir nicht nur etwas über den geschichtlichen Hintergrund, sondern auch viel über die Lebensbedingungen und Kultur in den jeweiligen Ländern. Zum Beispiel erzählt Riad von seinem Vater, der Gaddafi als großen arabischen Präsidenten betitelt aber auch seinem Sohn die Heimat näher bringt, indem er ihm Maulbeeren zeigt, die man in Syrien „Tuts“ nennt.  Immer wieder muss Riad sich an eine fremde Kultur anpassen, was nicht leicht ist – besonders im letzten Abschnitt (Syrien).

Meine Meinung

Mich hat die Gestaltung sehr angesprochen, besonders wegen dem stimmigen Farbkonzept. Gerade die Farbakzente lockern die Erzählung auf und betonen Wesentliches. Durch die reduzierte Farbwahl wirkt der Comic ruhig und Stimmungen können besser transportiert sein.
Aber auch wenn der Comic nur schwarz-weiß wäre, würde er mir sehr gut gefallen. Denn meiner Meinung nach versteht Riad Sattouf sich sehr gut darauf, seine Zeichnungen zu reduzieren und nicht zu überladen. Auch das trägt dazu bei, dass der Comic sehr präzise mit Stimmungen arbeiten kann. 

Vieles wirkt fremd und ist für in der westlichen Welt aufgewachsene Menschen, wie mich, zum Teil ziemlich schockierend. Zum Beispiel die Rolle der Frau, die hygienischen Zustände und die Kindererziehung. Erstaunt war ich, wie passiv die Mutter von Riad sich verhält. Mit welcher stoischen Ruhe sie die vielen Umzüge erträgt, wenngleich sehr deutlich wird, wie groß ihr Heimweh ist – schließlich sitzt sie sowohl im Libyen, als auch in Syrien einsam zu Hause.

Riad Sattouf hat einen besonderen, recht trockenen, Humor, der gar nicht so leicht zu greifen ist. Es ist viel mehr eine Mischung aus nüchterner Darstellung mit kleinen (aneckenden) Kommentaren. Aber gerade dadurch habe ich den Comic gerne gelesen.

Etwas schade fand ich das abrupte Ende. Ich hätte am Liebsten sofort weiter gelesen – aber hier muss ich mich nun gedulden.

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Fazit

„Der Araber von morgen“ ist kein Comic, den man einfach so zur reinen Unterhaltung lesen kann. Aber das liegt an der Sache, schließlich ist es eine Autobiografie. Es ist keine leichte Lektüre, aber auch kein Stein, der einem im Magen liegt. Mich beeindruckt, dass Riad Sattouf es geschafft hat, mich zu fesseln. Erzählweise, Humor und Gestaltung haben mir sehr gut gefallen.

Ich habe den Comic gerne gelesen, konnte einiges Neues lernen und warte nun auf die Fortsetzung.

Dieser Beitrag wurde am 10. Oktober 2015 um 11:41 aktualisiert

Melanie

Farben, die sich zu Bildern fügen - das ist meine Leidschaft. Illustration, Malerei oder Fotografie, aber auch die Natur, Bücher und Tee gehören zu den Dingen, die mich bewegen.

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