Vegetarismus – die Fortsetzung

Aufgrund der überwältigenden Resonanz zu meinem Eintrag über Vegetarismus habe ich entschlossen einige der markantesten Meinungen hier nochmal festzuhalten. Es gab einige sehr interessante Ansätze, die ich nicht ungelesen sehen möchte.

Herauskristallisiert hat sich auf jeden Fall, dass es ein wichtiges aber schwieriges Thema ist. Seine Position zu beziehen ist nicht leicht – besonders auf Grund der vielen Konflikte, die man eingeht, wenn man „Nein!“ zum Fleisch sagt. Aber auch auf Grund von unterschiedlichen physiologischen Grundlagen. Ich persönlich glaube, dass eine Ernährung ohne Fleisch prinzipiell ohne körperliche Probleme möglich ist – man sollte jedoch schon auf eine ausreichende Balance achten. Einige haben damit bei der Umstellung mehr Probleme als andere.

So, dann fangen wir mal an mit einer Reihe von für mich wichtigen und interessanten Zitaten smile

Antje (ganzer Kommentar): […] Ich glaube, wenn das Bewusstsein über die Herkunft von Lebensmitteln gestärkt würde, dann würden viele Menschen auch anders essen und es würde lang nicht so viel verschwendet und weggeworfen werden… […]

Das glaube ich auch. Allerdings weiß ich leider auch darum, dass es bei vielen Menschen einfach verdrängt wird. Sie wissen es durch Dokumentation und Freunde, aber verdrängen es und tun es ab mit Argumenten wie „Bio-Fleisch kann ich mir eh nicht leisten.“ Oder: „In meiner Familie ist Fleisch einfach zu wichtig.“ Bei diesen hartnäckigen Fällen reicht scheinbar selbst der brutalste Film über Massen-Schlachtungen von Tieren nicht, um länger als drei Stunden etwas am Fleischkonsum zu verändern. Ich weiß nicht, wie ich dazu meine Position beziehen soll. Wissen muss für mich mit Konsequenzen verbunden sein. Sonst ist es Verdrängung bzw. Abstumpfung, was letztlich ja auch ein ernsthaftes Problem unserer Zivilisation ist.

Meril (ganzer Kommentar): […] Meine Oma hat uns ständig zu irgendwelchen Ärzten geschickt, wir wurden andauernd untersucht, Blut abgenommen usw, alle redeten sich ein, dass das doch nicht gesund sein könnte, besonders für Kinder nicht und die Panik war groß. Und uns fehlte – oh Wunder – nichts. Alle tuen so als würde man auf etwas lebensnotwendiges verzichten und gehen davon aus diese Ernährung würde einen kränklich und schwach machen. […]

Meril hat hier etwas angesprochen, was ich auch so sehe und oben schon angeschnitten habe – sich vegetarisch zu ernähren macht nicht krank. Man sollte – wie eigentlich immer – darauf achten sich weiterhin ausgewogen zu ernähren.

Gleich einen weiteren sehr wichtigen und interessanten Argumentationspunkt hat sie in den Raum geworfen:

[…] Was aber auf jeden Fall auch zu Bedenken ist, ist das Problem das durch Globalisierung in Kombination mit Fleischkonsum entsteht.
Es ist nämlich in der Regel nicht so, dass die Kühe, die wir hier in Westeuropa essen ihr Leben auf Wiesen verbracht haben, sich von europäischem Gras ernährend. Vielmehr stehen die Kühe in dunklen Ställen und ernähren sich von Tierfutter aus Getreide. Getreide das aus dritte Welt Ländern importiert wird, während sich die Leute dort selbiges – durch die Preiskonkurrenz mit deutlich reicheren Ländern – nicht mehr leisten können.
16 kg Getreide ergeben 1 kg Rindfleisch.
Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinder tadeln, aber vielleicht sollte man, diese Tatsache im Hinterkopf behaltend mal drüber nachdenken ob “aber es schmeckt mir so gut” ein so tolles Argument ist. uneasy

Das ist etwas, was ich auch sehr sehr schwierig finde. Die Globalisierung macht vieles sehr undurchsichtig. Nicht nur was das Fleisch betrifft. Eben auch hinsichtlich vieler weiterer Produkte. Vor allem bei Fertigprodukten kann man sich kaum noch sicher sein, was man da isst und wo es her kommt. Auf Konsumpf gibt es einen Artikel, der sich damit befasst, wie beispielsweise Eier von Käfighännen in Fertigprodukten versteckt sind.

Sonja vertritt ihre Meinung mit Nachdruck. Was ich so auch gut finde. Es braucht Menschen, die sich in Argumentationen auch mal trauen, Dinge auszusprechen, die sonst nicht mal hinter vorgehaltener Hand besprochen werden..

Sonja (zum Kommentar): […] Es ist schade, dass so viele Menschen sich damit abfinden, wegschauen oder einfach gar nicht drüber nachdenken.
Wenn man das Thema anspricht hört man meistens “Ja, ich weiß, das ist total schlimm wie die gehalten werden.” Und auf die Frage warum sie es dann nicht für sich persönlich ändern kommt “Nee ich könnte das nie” .
Und warum nicht? Weil Mensch zu faul ist. Weil Mensch angst vor Veränderungen hat und lieber in seinem gewohnten Trott bleibt den er von den Medien eingetrichtert bekommt. […] Ich bin keine militante vegane Ökoolle, aber ich finde dieses Thema so unfassbar wichtig…
Und jeder Mensch der sagt er liebe Tiere, lügt wenn er sie trotzdem isst.
Denn Lebewesen die man liebt will man nicht verletzen.

Meiner Meinung nach haben die Medien auch sehr viel damit zu tun. Es gibt unzählige Kochsendungen mit großem Aufklärungspotential. Aber das Schnitzel wird immer gleich ausgebacken – könnte man sagen. Immernoch wird das Bild vermittelt, es könne kein Hauptmenü ohne Fleisch geben und das Gemüse wird zur Beilage degradiert. Sendungen wie „Das perfekte Dinner“ unterstreichen nicht oft das vorherrschende Bild vom als mühsam empfundenen Vegetarier, der immer seine „Extrawurst“ braucht. Während Leute, die „wegen Allergie“ keine Schwammerl (Pilze) essen – um sie letztlich ohne Beschwerden zu verzehren – nur müde belächelt werden.

Und ganz zuletzt wurde ein mir absolut wichtiger Punkt angesprochen …

Chibi (zum Kommentar): […] Das einstige Wundermittel Soja ist ja mittlerweile schon wieder fast vom Tapet, aber braucht es denn diese “Ersatzstoffe”? […]

Das Frage ich mich jedes Mal, wenn ich am Regal mit „Soja-Wurscht“, „Soja-Geschnetzeltes“, usw. vorbei gehe. Ich persönlich mag solche „Ersatzprodukte“ nicht und bin der Meinung, dass sie auch oft nicht sonderlich überzeugend schmecken.

[…] Ich bin versucht zu glauben, dass das Problem nicht der Fleischkonsum ist, sondern, dass wir die Möglichkeiten unserer Wahrnehmung nicht einmal im Ansatz ausnutzen. Schmecken können hat wirklich etwas mit Wissen zu tun und dabei geht es kaum um theoretisches Wissen. Wenn du nicht weißt, wie ein Bergwald riecht und eine Sommerwiese, dann schmeckt jeder Honig gleich für dich. Wenn du nicht weißt, in welchen Umständen Himbeeren normalerweise wachsen, wird es dir schwerfallen, nachzuvollziehen, dass synthetisches Himbeeraroma nur die 18 angenehmen Prozent der echten Himbeeraromen sind – und dass es deswegen als künstlich empfunden wird. […]

Genau das ist ein sehr interessanter Punkt über den ich mir auch schon oft den Kopf zerbrochen habe. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden – aber so verschieden?! Nicht selten habe ich das Gefühl, dass Fleisch mit seinen unterschiedlichen Würzmischungen und Marinaden und Soucen verglichen wird mit in Salz geschwenkten Kartoffeln und dann wird gesagt: „Na ja, aber das Fleisch schmeckt halt einfach vielschichtiger“.  rolleyes Was für ein Wunder. Vieles schmeckt auch nicht beim ersten Versuch gut. Manchmal muss man sich an neue Geschmacksnuancen erst gewöhnen und zaghaft antasten.

[…] Und dann führe ich mir immer wieder vor Augen, dass Fleisch, vor allem Muskelfleisch, ja immer Kraft ist. Dass es jetzt momentan leicht ist, darauf zu verzichten, weil genug anderes da ist. Aber wenn man an die Großeltern und die Zeit nach dem Krieg denkt, dann kommt man nicht umhin, dass man vielleicht nicht immer den Luxus haben wird, verzichten zu können.
Für mich ist es wirklich nicht einfach, da ein klares Ja oder ein klares Nein auszusprechen.[…]

Dazu kann ich nicht viel mehr sagen, außer, dass das ein sehr weitsichtiger Gedanke ist. Entscheidungsmöglichkeiten zu haben und diese auch zu nutzen ist wirklich ein wertvolles Gut.

Damit möchte ich es jetzt einfach mal belassen. Ich hoffe für euch waren die ganzen Kommentare (in ihrer komprimierten Form) ebenso interessant zu lesen, wie für mich. Ich war wahrlich erstaunt über die hohe Resonanz.

Dieser Beitrag wurde am 21. Juni 2015 um 22:48 aktualisiert

Melanie

Farben, die sich zu Bildern fügen - das ist meine Leidschaft. Illustration, Malerei oder Fotografie, aber auch die Natur, Bücher und Tee gehören zu den Dingen, die mich bewegen.

18 Comments

  1. Habe den Artikel jetzt mal in Facebook geteilt ^-^

    Ein Thema, das wahrscheinlich nicht fertig auszudiskutieren ist. ICh weiß nciht was ich jetzt dazu noch sagen sollte, weil so ziemlich die wichtigsten Aspekte zusammengefasst und auf den Punkt gebracht wurde.

    Ich bezweifle stark, dass sich „diese Angewohnheit“, man denkt man brauch jeden Tag Fleisch. Soviel ich es auch von Dokus gehört habe reicht es vom Nährwert her nur 5 Salamiescheiben bzw. früher wo die LEute nicht soviel zu essen haben, gab es auch nur einmal die Woche Fleisch.

    Manchmal wundere ich mich was wäre wenn man in das irgendwie richtig umsetzt von Kindesalter an, dass man auf Fleisch verzichtet, indem dies Zuhause, in Kindergarten, Schule und so weiter umgesetzt wird. Vielleicht entwickelt sich nach und nach so eine „Selbstverständlichkeit“ bezüglich der Ernährung.

    Manchmal hört man auch gern und lieb Argumente wie „Ja der Mensch ist eben von Natur aus ein Fleischfresser.“ Darauf kann ich manchmal etwas spießig nur sagen: „Ja der Mensch ist auch von Natur aus nicht monogam, usw.“. Wenn Leute mir mit soclhen Argumenten daher kommen, dann denke ich mir auch nur wenn wir nur unseren Trieben folgen, wozu brauchen wir dann Rechtssystem oder überhaupt Gesetze.

    Zu den Fotos: Eh … WOW >-< … Es ist gleichzeitig so subtil still aber geladen vor Emotionen. Toller Schuss und Herrichtung des Eis

    • —> Manchmal wundere ich mich was wäre wenn man in das irgendwie richtig umsetzt von Kindesalter an, dass man auf Fleisch verzichtet, indem dies Zuhause, in Kindergarten, Schule und so weiter umgesetzt wird. „Wenn Leute mir mit soclhen Argumenten daher kommen, dann denke ich mir auch nur wenn wir nur unseren Trieben folgen, wozu brauchen wir dann Rechtssystem oder überhaupt Gesetze.“ Signed. :nod:

  2. das bild ist ja schon seeehr brutal!!!

    ich war auch 5 jahre lang vegetarierin…gar kein fleisch…mittlerweile esse ich es wieder (also nur hähnchen) aber ich finde man sollte dann einfach vieeel wert drauf legen dass das feisch vom biohof ist und nicht vion irgendwelchen armen viechern die leiden mussten….das finde ich furchtbar (auch bei eiern oder so – bin froh dass wir unseren bauern haben wo ich alles frisch bekomme) nuggets oder so (die ja kaum aus fleisch und mehr aus fett bestehen) sind für mich ein NO GO – die armen vicher werden ja nur zumfressen gezüchtet und haben wirklich kein tolles leben….

    soja mag ich garnicht (außer jogurt) also ist es fpr mich nie ne alternative gewesen…

    • Brutal? Ich weiß nicht. Ich fand es passend. Es ist ja gut erkennbar, dass es nur Kunstblut ist.

      Warum isst du wieder Fleisch?

      • ja klar das bild ist gut. aber eben brutal dargestellt. (heißt ja nicht dass es schlecht ist)..

        Ich esse wieder hähnchen weil es mir schmeckt (und ich weiß wo es herkommt) und ich soja/Tofu garnicht so mag (habs oft genug probiert – wir werden keine freunde mehr!)

        ich muss sagen meine eisenwerte sind nun auch wieder besser. die waren ne zeot lang mal sehr im keller – ob das nun am fleisch liegt (ich esse das nur 1-2 mal in der woche wenn überhaupt) oder nicht bleibt einfach mal dahingestellt..

  3. Ich bin ein paar Tage weg und es hat sich so viel auf deinem Blog getan!
    Die Bilder zum Thema sind sehr klasse passend.
    Sich zum Thema Vegetarismus zu äußern ist wirklich schwer. Es gibt so viele Sichtweisen und Meinungen die man vertreten kann. Mein Freund ist Vegetarier, ich aber nicht. Aber dadurch essen ich zumindest sehr wenig Fleisch. Auch wenn man natürlich darüber diskutieren kann, dass ich durch das wenige Fleisch, welches ich esse, die Industrie trotzdem unterstütze.

    Schön, dass du dir die Mühe gemacht hast die Kommentare aufzuarbeiten und eine weitere Diskussion dadurch startest! :)

    • Dabei sind die Bilder nun wirklich schon bald sechs Jahre alt. Fotos sind einfach zeitlos.

      Mir war es einfach ein Anliegen die ganzen Meinungen nicht untergehen zu lassen.

  4. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen Fleisch zu essen, verboten werden sollte es nicht. ABER muss es wirklich immer das billigste sein? Warum nicht vom Bauern nebenan und auch in der Stadt kann man sich darum kümmern, nicht das Fleisch aus Massentierhaltung etc. zu kaufen.

  5. Ich persönlich esse Fleisch und ich ess auch gerne mal vegetarisch. Ich gehe mir auch „schlechtes“ Fleisch mal im Rewe kaufen, aber ich versuche auch „gutes“ Fleisch vom lokalen Metzger zu kaufen, Geflügel bei Fasanerien in der Nähe und /oder Obst und Gemüse beim ansässigen Bauern. Das ist mein bisheriger Stand.

    ich habe deinen anderen beitrag auch gerade gelesen und muss sagen, dass ich bei dem Theme inbesondere zum Thema „Tofu und Ersatzprodukt“ kurz schmunzeln musste, weil ich eine ähnlich Diskussion neulich in der Firma hatte. Ich finde es in Europa wirklich ätzend, dass Tofu als Ersatzprodukt für Fleisch gesehen und vermarktet wird – ich find „Tofuwurst, Tofugeschnetzeltes etc.“ wirklich bescheuert – weil sich dadurch in den Köpfen der Leute (die sich nicht weiter beschäftigen) Tofu als „Ersatz für Fleisch“ festsetzt und viele überzeugte Fleischesser es dann von Anfang an ablehnen.

    Für uns ist Tofu zB eine ganz normale „Beilage“ – wird mal in Würfeln in die Suppe reingeschnitten, genauso wie Karotten oder Kohlrabi – oder es wird frittiert – oder als Süßigkeit serviert mit Ingwer und Sirup…. Die meisten sehen die Vielfalt von Tofu gar nicht, weil die von dieser bescheuerten „Tofu-Fleischersatz“-Vermarktung total verblendet sind T.T

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