Ein Vorurteil ist eine meist negative Einstellung gegenüber andere Personen oder Personengruppen, die gebildet wird ohne diese kennengelernt zu haben. Dieses Thema ist so bedeutend für unser Sozialverhalten – wir müssen darüber reden und nachdenken! Sich selbst mit den eigenen Vorurteilen auseinander zu setzen ist wichtig, denn Vorurteile können zerstörerisch sein, sie kosten Ressourcen und betreffen alle Menschen.

Vorurteile zu haben ist erstmal ein unbewusster und nicht steuerbarer Prozess. Man steckt fremde Menschen automatisch in Schubladen. Dazu muss man sie nicht persönlich gesehen haben. Studien 1 zeigen, dass es reicht Kevin oder Chantal zu heißen, um bei Lehrern „unten durch“ zu sein.

Warum haben wir Vorurteile?

Vorurteile dienen dazu uns abzugrenzen. Sie bringen (vermeindliche) Sicherheit, Stabilität und Zusammenhalt. Das Leben, so wie man es seit kleinauf kennt ist der sichere Hafen – so muss es doch richtig sein!? Kommt hier eine unbekannte Dimension hinzu, wirkt das erstmal bedrohlich – denn egal wie: es wird das bestehende System verändern. Diese Veränderungen können zum Guten sein, aber sie wirken prinzipiell immer bedrohlich. Ich glaube übrigens daran, dass eine ehrliche kulturelle Öffnung unserer Gesellschaft gut tut und im Sinne der Globalisierung und der weltweiten Vernetzung ist. Gleichzeitig fürchte ich mich davor, dass diese Entwicklung alles zu einem Brei vermischt und kleine individuelle kulturelle Besonderheiten verloren gehen, irgendwann nur noch in Geschichtsbüchern zu lesen sind.

Immer wenn man über Vorurteile spricht, muss man, finde ich, auch über ausländerfeindlichkeit und rechtsextremismus sprechen. Gerade in letzter Zeit wurden oft Stimmen laut, die sagten „die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg“ oder „die Ausländer sind faul und arbeiten nichts“. Manchmal in einem Aufwasch ohne die Ironie darin zu erkennen. Das beide Aussagen so nicht zutreffen möchte ich hier gar nicht weiter ausbreiten. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, seine Einstellungen zu hinterfragen. Woher habe ich diese Ansicht? Oft gibt es auf diese einfache Frage keine Antwort. Spätestens hier könnte man stutzig werden und sich fragen: Was habe ich von diesem Vorurteil?

Am eigenen Leib …

Vorurteile zu erfahren ist keine schöne Sache. Das fängt schon im Kleinen an, wenn man das Gefühl hat in bestimmten Situationen auf Grund der Kleidung in eine Schublade gesteckt zu werden. Das Gefühl kennt wahrscheinlich jeder. Aber ich denke, dass es noch viel dramatischer ist, wenn man für Eigenschaften wie Name, Identität, Sexualität und Hautfarbe verurteilt wird.

„Ich habe keine Vorurteile.“ – Ich sage: doch!

Du denkst, dass du frei von Vorurteilen bist? Teste ob du frei von Vorurteilen bist: mit dem impliziten Assoziationstest!

Vorurteile zu überwinden kostet uns Ressourcen (…)
Es gibt verschiedene Test-Kategorien (z.B. ob man Vorurteile gegenüber dem Gewicht von Menschen hat, oder ob man bezüglich der Sexualität Vorurteile hat). Die Tests dauern ca. 10 Minuten und sind einfach durchzuführen. Am Beispiel „Gewicht“ wird getestet ob es eine Bevorzugung von dünnen oder dicken Menschen gibt. Es werden zunächst die Kategorien „dick – dünn“ und „gut-schlecht“ getrennt eingeübt. Danach werden sie gekoppelt abgefragt. Zum Beispiel muss man für „dick“ oder „gut“ jeweils A drücken und für „dünn“ oder „schlecht“ jeweils I. Es geht nicht darum, ob man richtig antwortet, sondern wie lange man zum antworten benötigt. Vorurteile zu überwinden kostet uns Ressourcen, weswegen die Antworten langsamer erfolgen, wenn man Vorurteile hat. Mach den Test nur, wenn du das Ergebnis auch wirklich wissen möchtest und ehrlich zu dir selber bist. Ich habe übrigens eine leichte Bevorzugung von dünnen Menschen.

Interessante Links

  • Soufeina Hamed zeichnet Comics über Vorurteilen gegenüber Muslimen. Ihre Comics könnt ihr auf tuffix.net anschauen.
  • Das Projekt „Frag ein Klischee„. Hier werden in kleinen Videobeiträgen Fragen gestellt, die sonst nur Gedankenspiel sind. Hintergedanke ist, dass Vorurteilen am besten begegnet werden kann, indem man nachfragt. Die Fragen Die Sendung FRAG EIN KLISCHEE ist ein Teil des Forschungsprojekts „Grundversorgung 2.0 – Internet-TV für die neue Mediengeneration“ der Leuphana Universtität Lüneburg. Ich füge mal ein Video als kleiner Appetizer ein.

Die Kunst liegt darin, diese Vorurteile wahrzunehmen, zu hinterfragen und einen offenen Blick zu bewahren. Warum verhält sich der andere Mensch so? Warum habe ich dieses und jenes Vorurteil?

Wie gehst du mit deinen eigenen Vorurteilen und denen anderer um?

Informationen zur Blogparade 'No Monologue'

  1. Artikel in der Süddeutschen: Studie: Kindernamen und Vorurteile – von wegen Schall und Rauch, 2. Januar 2012